Re: Wie geht es mit der Wirtschaft weiter?
von Morpheus2082 » Montag 23. Februar 2009, 17:52
Europa am Abgrund
Michael Grandt
Europas Industrieproduktion bricht dramatisch ein. Aber anstatt sich gegenseitig zu unterstützen, ist die EU-Kommission zerstritten. Nun droht ein Desaster.
Die Industrieproduktion in der gesamten EU ist stärker eingebrochen als erwartet. Der Rückgang im Dezember 2008 gegenüber dem Vorjahresmonat betrug in Prozent:
Spanien: - 19,6
Schweden: - 18,4
Slowakei: - 16,7
Italien: - 14,3
Deutschland: - 12,4
Irland: - 12,3
Portugal: - 11,7
Tschechien: - 10,8
Frankreich: - 10,7
Niederlande: - 9,5
Großbritannien: - 8,8
Polen: - 7,7
(Quelle: epp.eurostat.ec.europa.eu/portal/page)
Die Euro-Zone erzielte zudem im Jahr 2008 ein Handelsbilanzdefizit von 32,1 Milliarden und die EU27 verzeichnete sogar ein Defizit von 241,3 Milliarden Euro.
Das größte Minus verbuchte dabei Großbritannien (- 111,7 Mrd.), gefolgt von Spanien (- 84,2 Mrd.), Frankreich (- 64,2 Mrd.), Griechenland (- 33,2 Mrd.), Polen (- 22,3 Mrd.), Portugal (- 21,2 Mrd.) und Rumänien (- 21,0 Mrd.). Deutschland hingegen erwirtschaftete noch einen Überschuss von 168,2 Milliarden Euro und führt die EU damit an.
Dramatische Auswirkungen
Die weltweite Krise hat nun auch die europäische Realwirtschaft erreicht – mit dramatischen Auswirkungen: Das Wirtschaftsklima im Euro-Raum rutschte auf einen historischen Tiefstand, Rumänien steht de facto vor dem Bankrott, in Irland und Spanien verdoppelten sich die Insolvenzzahlen und der griechische Gesundheitsminister kann die Lieferanten der staatlichen Krankenhäuser nicht mehr bezahlen.
Auch Deutschland ist betroffen. Wie das Bundeswirtschaftsministerium mitteilte, ist die Erzeugung im produzierenden Gewerbe im Dezember erneut deutlich eingebrochen: Sie sank um 4,6 Prozent. Im November war sie bereits um 3,7 Prozent zurückgegangen. Experten erwarten zudem für das laufende Jahr rund 35.000 Firmenpleiten.
Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner
Schon mahnt der amtierende EU-Ratsvorsitzende, Tschechiens Premier Mirek Topolanek, das »Szenario von 1930« könne sich wiederholen.
Jetzt müsste Europa sich einig zeigen, weil die Verflechtung der Wirtschaft eine enge Zusammenarbeit zwingend notwendig macht, aber stattdessen ist die EU-Kommission zerstritten und schafft es nicht, gemeinsame Antworten auf die Krise zu finden und ein Desaster zu verhindern.
Das Motto »Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner« scheint aber nicht in das Bild einer harmonischen EU zu passen, die man dem Bürger bisher vorgegaukelt hat: erst in Krisenzeiten offenbart sich das wahre Gesicht des anderen.
Sonntag, 22.02.2009